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Hermann Kadasch und das Tauchen

Durch die von Prof. Hans Hass in den Nachkriegsjahren 1950 - 1955 gezeigten Filme in dem damaligen Ohne Pause Kino in Linz war ich so begeistert, dass ich auch unbedingt solche Abenteuer erleben wollte. Ich war damals gerade ca. 13 Jahre alt und war damals schon eine „Wasserratte „ im Linzer Parkbad und dem Linzer Weikerl – See. Besonders fasziniert hat mich damals das von Herrn Prof.Hans Hass verwendete Sauerstoff- Schwimmtauchgerät. Ich konnte damals 2 Stück Deutsche U-Boottauchretter aus dem Zweiten Weltkrieg kostenlos bekommen. Diese U-Boottauchretter waren sehr ähnlich den von Herrn Prof. Hans Hass verwendeten Tauchgeräten. Ich hatte diese beiden sehr desolaten und verschlissenen U-Boottauchretter in mühevoller Kleinarbeit über einen Zeitraum von ca. eineinhalb Jahren auf ein einfaches 100% Sauerstoff–Tauch-Kreislaufgerät umgebaut.

Hermann Kadasch 1958

Der vorne an der Brust angebrachte Atembeutel, - die Gegenlunge war total kaputt und kurioser weise mit einer Nasenklemme verbunden. Das alte Tragegestell die Umhängeschürze war nicht mehr zu verwenden. Aus einem blauen Gummiplattenmaterial konstruierte ich die Halterung für die ein Liter Sauerstoff – Stahlflasche mit 200 Bar. Weiters die Halterung für den Atemsack und dem AGA-Sauerstoff–Reduzierventil mit dem Sauerstoff–Niederdruckschlauch in den Atemsack. Am unteren Ende der Umhängeschürze hatte ich einen Schrittgurt mit einer Gürtelschnalle montiert. Aus einer neuen Silicongummi -Platte habe ich einen neuen größeren Atembeutel heiß zusammen vulkanisieren lassen und zum Rücken hin verlegt. Die erforderlichen Öffnungen für den Kopf, die Atemkalkpatrone, den beiden Faltenschläuchen, und den Sauerstoffeinströmschlauch habe ich ausgeschnitten und abgedichtet. Die original Träger, Saug- und Druckventile mit den beiden Faltenschläuchen und dem schließbaren Metall-Mundstück konnte ich nach eingehender Reinigung verwenden.

Der Atembeutel hatte damals kein Überdruckventil. Bei der Aufstiegsphase musste ich die ausgedehnte Atemluft über die damalige Hans Hass Maske abatmen. Das alte Sauerstoffreduzierventil war damals völlig verrostet und konnte nicht mehr verwendet werden. Ich konnte von einem Freund ein damals übliches AGA–Sauerstoffreduzierventil für Schweißarbeiten kostenlos erweben. Die große Reduzierschraube für den einstellbaren Schweißsauerstoffdruck habe ich in der Mitte durchbohrt, einen Stift angefertigt , welcher durch die Reduzierschraube hindurchführte und mit einem dazu erforderlichen Umlenkbügel ausgestattet, um dosiert in kleinen Mengen manuell nach Bedarf Sauerstoff in den Atemsack einimpfen zu können . Nach und nach konnte ich dann zusammen sechs Stück ein Liter Sauerstoffflaschen mit Ventil erwerben.

Kadasch History

Die ersten Tauchversuche wurden in der Nähe von Linz in dem Weikerlsee - Schottersee von mir durchgeführt. Dieser damals herrliche Weikerlsee war maximal 5 Meter tief , hatte einen herrlichen Pflanzenbewuchs und es gab damals im Jahr 1958 sehr viele viele Fische. Von meinem Tauchfreund Dr. Heinz Kadur durfte ich mir seine Kamera mit dem ersten Unterwasser – Gehäuse der Firma Hugyfot ausborgen um damit die Fische und Pflanzen zu fotografieren. In den folgenden Jahren 1958 bis 1960 tauchte ich zu den Wochenenden alleine und lernte dabei das praktische Tauchen mit dem umgebauten U-Bootretter und beherrschte dieses dann perfekt.

Nachdem der Weikerlsee bei Linz nur maximal 5 Meter tief war, hatte ich mit dem umgebauten U-Bootretter mit 100 % Sauerstoffanteil keine Probleme. Aber nach spätestens einer Stunde Tauchen trieb mich ohnedies die Kälte aus dem Wasser. Einen Tauchanzug gab es für mich damals noch nicht. Von den Filmen von Herrn Prof Hans Hass damals begeistert, hatten wir drei Dr. Heinz Kadur, Johann Bullart und ich beschlossen, wir wollen auch die Haie in Griechenland auf den nördlichen Sporaden Skiathos und Skopelos erleben.

Hermann Kadasch 1958

Im Sommer 1961 brachen wir dann zu dritt zu dieser „Tauch– Expedition“ auf. Wir wollten in die Fußstapfen von Herrn Prof. Hans Hass treten. Ich war mit meinem Tauchgerät alleine. Dr. Kadur und Bullart konnten nur Freitauchen (Apnoe). Meine Begeisterung mit dem Tauchgerät war grenzenlos und mit meiner damaligen Unwissenheit tauchte ich einmal auch bei einer sehr schönen Stelle auf 32 Meter Tiefe. Zuerst hatte ich eine herrliche Euphorie, dann Sehstörungen, Röhrensehen, und panische Angstgefühle, dabei sah ich eine große angriffslustige Muräne, welche mich in meinem Rauschzustand noch beißen wollte.

Instinktiv nur weg- weg, nur nach oben zur Wasseroberfläche. Nachdem der Atemsack ja kein Überdruckventil hatte, konnte ich die Volumen–Ausdehnung den Überdruck in der Gegenlunge beim hochschießen zur Oberfläche nicht alles durch die Maske abblassen und so schoss ich wie ein Korkstoppel durch die Wasseroberfläche hoch hinaus. Auf Grund dieses Vorfalles lernte ich meine Gefahren-Symptome genau kennen und tauchte dann später nur noch bis maximal 20 Meter Tiefe. Meine sechs Stück, ein Liter Sauerstoffflaschen, konnte ich in Griechenland in Volos bei einer Schlosserei von den großen Sauerstoffflaschen abfüllen. Vom Atemkalk hatte ich aus Österreich drei große Atemkalk-Kanister mitgenommen.

Kadasch_Kadur_Bullar

Nach dieser dreiwöchentlichen Tauchexpedition gestalteten wir in Linz am Graben im damaligen Sportgeschäft Loidl die Auslage unter dem Titel Tauchexpedition in Griechenland „betender Grieche". Dies war dann zugleich auch der Anlass und der Enthusiasmus den 1. Linzer Unterwasserclub Seepferdchen als Verein für Unterwasserfotographie und Forschung im Jänner 1962 mit Gleichgesinnten zu gründen.

Dann kamen erstmalig die Presslufttauchgeräte in den Handel und mit den in der Schweiz gefertigten Airmaster Zweischlauch Lungenautomaten. Aus Sicherheitsgründen verkaufte ich mein Sauerstoff – Schwimmtauchgerät und erwarb ein neues Presslufttauchgerät gleich mit einem Doppelblock mit 20 Liter Inhalt mit dem Zweifalten Schläuchen dem Air-Master Lungenautomaten.

 

Tauchexpedition